Wie einst Hoffmann von Fallersleben, dem Schöpfer der Deutschen Nationalhymne. Ich war übrigens auch schon in seinem Geburtshaus in Fallersleben in der Nähe von Wolfsburg, das heute ein Museum ist. Sehr sehens- und erlebenswert.
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Die Festung im Kopf: Warum Gedankenfreiheit kein Relikt des Vormärz ist
Wenn wir heute im Schulunterricht oder bei feierlichen Anlässen die dritte Strophe unserer Nationalhymne singen, schwingt im Hintergrund oft eine wohlige historische Distanz mit. „Einigkeit und Recht und Freiheit“ – das klingt nach einem abgehakten Kapitel der deutschen Erfolgsgeschichte. Doch blickt man auf das Jahr 1842 und das Schicksal ihres Schöpfers August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, bricht die bequeme Fassade ein. Seine Biografie offenbart die bittere Wahrheit: Freiheit ist kein Dauerzustand, sondern ein permanenter Abwehrkampf.
Als der preußische Staat Hoffmann von Fallersleben 1842 wegen seiner regimekritischen Verse feuerte, ihn enteignete und ins Exil trieb, wollte die Obrigkeit vor allem eines: ein Exempel statuieren und ein Gehirn mundtot machen. Die Antwort des Dichters war genial wie zeitlos. Er flüchtete sich in die Tradition, griff das alte Volksgut „Die Gedanken sind frei“ auf und goss es in die Form, die wir heute kennen. Es war der ultimative, trotzige Mittelfinger gegen die Zensoren seiner Zeit. Wenn der Körper im Kerker verrottet, so die Botschaft, bleibt der Verstand die uneinnehmbare Festung.
Das Paradoxon der deutschen Geschichte liegt darin, dass Hoffmann von Fallersleben die äußere Freiheit (den Nationalstaat) forderte, aber im Moment der bittersten Niederlage auf die innere Freiheit (die Gedanken) zurückgeworfen wurde. Er begriff, dass kein Gesetz der Welt und kein Obrigkeitsstaat das Innere eines Menschen kontrollieren kann, solange dieser sich nicht selbst aufgibt.
Man mag geneigt sein, diese Episode im Giftschrank des 19. Jahrhunderts zu vergraben. Doch das wäre ein fataler Irrtum. Die Schranken und Zensoren von heute tragen keine preußischen Pickelhauben mehr. Sie verbergen sich hinter den Algorithmen totalitärer Überwachungsstaaten, hinter digitaler Vorratsdatenspeicherung oder im subtilen Druck gesellschaftlicher Echokammern, in denen unliebsame Meinungen sozial hingerichtet werden.
Hoffmann von Fallerslebens Doppelschlag von 1841 und 1842 lehrt uns: Das Fundament jeder Nationalhymne und jedes freien Staates ist nicht die Verfassung auf dem Papier. Es ist das unzensierte, freie Denken im Kopf jedes Einzelnen. Wer die Gedankenfreiheit als historische Selbstverständlichkeit abtut, hat sie bereits halb verloren. „Es bleibet dabei“, sang man vor fast zweihundert Jahren im Untergrund. Es muss auch heute dabei bleiben – gerade dann, wenn der Gegenwind lauter wird.