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Der Paradeplatz wird zum Wohnzimmer – Bisher größte Anti-Corona Demo in Forchheim - Anwohnerin beschwert sich
Der Paradeplatz wird zum Wohnzimmer – Bisher größte Anti-Corona Demo in Forchheim - Anwohnerin beschwert sich
Text: Thomas Weichert
Fotos: Anja Linke und Thomas Weichert
FORCHHEIM
Es war die 77. Mahnwache der Freiheitsbewegung Forhheim auf dem Paradeplatz am Freitagabend die als große "Sonder-Kundgebung" mit 250 Teilnehmern von Carola Pracht-Schäfer und ihrem Mann Rainer Pracht angemeldet war. Sonst stoßen die täglichen Mahnwachen für Freiheit und Selbstbestimmung in der Forchheimer Innenstadt auf wenig Resonanz. Weil diesmal jedoch der Ulmer Rechtsanwalt Markus Haintz, einer der führenden Köpfe der Bewegung "Querdenken 731", der in der Szene der Gegner gegen die Corona-Verordnungen zum "YouTube-Star" avanciert ist, angekündigt war, kamen diesmal tatsächlich rund 200 Demonstranten. Sie wurden jedoch enttäuscht, weil Haintz, der von 2007 bis 2011 in Forchheim lebte weil er in Erlangen studierte, aus dringenden terminlichen Gründen seine Teilnahme kurzfristig absagen musste.
Dafür schicken die "Querdenker" Dr. Daniel Langhans, Verkaufstrainer und Unternehmensberater aus Ulm, der immerhin auch schon auf YouTube präsent ist. Diejenigen, die zu solchen Demonstrationen kommen, kennen die Thesen der Redner meist schon ganz genau. Es werden deshalb auch meist nur diejenigen damit erreicht, die ohnehin Gegner der Regierungsmaßnahmen zur Eindämmung der Coronapandemie sind. Entsprechend groß ist die Zustimmung und der Applaus der Demonstranten für die Rede- und Liedbeiträge der Akteure. Nicht alle finden das aber gut, geschweige denn richtig. Eine davon ist Inge Haller. Sie hat eine Eigentumswohnung mit schöner Terrasse über dem Lederwarengeschäft Dorsch am Paradeplatz.
Täglicher Lärm ist unerträglich
"Der tägliche Lärm ist inzwischen unerträglich. Ich kann nicht mehr arbeiten oder mal in Ruhe auf meiner Terrasse sitzen um mich zu entspannen", beschwert sich die Anwohnerin und schickt hinterher: Darüber sollte die Zeitung einmal berichten. So ginge es auch weiteren Anwohnern, sagt Haller, die die meisten verbreiteten Aussagen der Redner für "unmöglich" hält. Lärm wird in der Tat viel gemacht. Mit Trommeln, aber auch mit Tröten, die der Veldener Allgemeinmediziner Dr. Michael Lehmann mitgebracht hat und an die nicht wenigen Kinder verteilt. Lehmann, der seit drei Wochen im Ruhestand ist, spricht zur Impfpflicht. Aktuell sei dieses Thema deswegen wieder, weil der momentane Weltherrscher, Bill Gates, ein Impffanatiker sei, der die Weltbevölkerung reduzieren will. Ist das nicht eine Verschwöhrungstheorie ? Nein sagt der Schulmediziner. Dies sei beweisbar und Gates habe dies schließlich selbst gesagt. Lehmann ist nicht grundsätzlich gegen Impfungen. Die Pockenimpfung war ein Segen, sie hat Menschenleben gerettet. Aber seitdem der Staat die Verantwortung für Impfschäden übernommen habe, ufert dieses Geschäft aus und männliche Jugendliche werden heute sogar gegen Gebärmutterkrebs geimpft. Lehmanns Rede hört sich fast so an als entspringe sie aus dem Gruselkabinett eines Dr. Frankensteins der einen künstlichen Menschen erschaffen will. Denn, so der Arzt, werde gerade eine neuheitliche Impfmethode vorbereitet, die den menschlichen Organismus gentechnisch verändert. Das gab es bisher nur in der Tiermedizin. Er fürchtet, das sich der Mensch nach dieser Impfung nicht mehr fortpflanzen könne. Nach einer Schweigeminute skandiert Lehmann am Schluss „Freiheit, Freiheit“ und fast alle stimmen ein. Es spricht auch die Bamberger Krankenschwester Beatrice Koza. Ihren Job, den sie sehr liebte, hat sie selbst gekündigt, weil sie es nicht mehr ertragen konnte den ganzen Tag im Krankenhaus eine Maske zu tragen. Ihre Kinder will sie nicht mehr in die Schule schicken, wenn diese dort Maske tragen müssen. Unmöglich findet sie auch, das eines ihrer Kinder vom Kindergarten heimgeschickt wurde, weil es Schnupfen hatte. Und dann auf das Virus getestet werden musste, wolle es wieder in den Hort. Der systemkritische Forchheimer Liedermacher Ernst Tosh verbreitet dazwischen und am Schluss so was wie Weltuntergangsstimmung. Es hört sich sehr traurig an was er singt, seine Musik wirkt melancholisch, doch er kommt bei den Demonstranten an, die ihm zujubeln. „Ihr wurdet zum Schweigen gebracht und mit dem Maulkorb gequält. Zu lange habt Ihr geschwiegen, Eure Meinung verschenkt, sie ist auf facebook geblieben und jede Form von Kritik, wird im Keime erstickt“, singt Tosh. Fast ganz am Schluss, nach über zwei Stunden, spricht Langhans, der eigentliche „Starredner“ dieser Veranstaltung. Langhans ist, schon berufsmäßig, ein brillanter Redner. „Man muss die Herzen der Menschen erreichen“, sagt er im Gespräch mit den Freunden der Fränkischen Schweiz.
Langhans: Wo ist Merkel, wo die Bischöfe ?
„Jedes Volk hat die Regierung verdient, die es erträgt“, so einer der Sprüche von Langhans, der gegen unsere Regierung aber auch gegen die katholischen Bischöfe und Papst Franziskus austeilt. „Frau Merkel, wo ist die Menschenwürde“ und „liebe Bischöfe, wo seit ihr ?“ Immer wieder erntet Langhans mit solchen Fragen Applaus, besonders dann, wenn er Corona als Fake bezeichnet oder den Weltuntergang kommen sieht, wenn die gesamte Menschheit durch Impfungen gentechnisch verändert ist. Langhans sieht drei Gründe warum nicht mehr protestieren. Einmal sei es die Angst vor gesellschaftlichen Nachteilen um nicht zu Außenseitern zu werden, dann die Angst Freunde zu verlieren und die dritte Gruppe protestiere aus reiner Bequemlichkeit nicht, weil sie glauben, unsere Politiker werden es schon machen. Die ganze Welt soll digitalisiert werden, behauptet Langhans, der sich bereits im Krieg wähnt als er ein Flugblatt der Weißen Rose zitiert. Einige haben es sich um diese Zeit auf dem Paradeplatz schon gemütlich gemacht. Eine Frau im Hippie-Outfit hat ihr Strickzeug mitgebracht, eine andere ist auf ihrer Isomatte schon fast eingeschlafen. Der Paradeplatz wird zum Wohnzimmer. Die Kinder rennen mit ihren Tröten durch die Reihen der Demonstranten. Eigentlich dürften sie das gar nicht.
Weltfreme Auflagen ? Kinder mit Maske ?
Denn eine der Auflagen ist, dass nur Kinder des eigenen Hausstands bei der Demo zusammenkommen dürfen. Außerdem müssen die Abstandsregeln eingehalten, oder wo das nicht möglich ist, eine Mund- Nasenbedeckung getragen werden. Die Realität ist jedoch eine andere. Überwacht wird das Ganze in einiger Entfernung von der Polizei, die diesmal mit mehreren Streifenwägen vor Ort ist. Polizeihauptkommissarin Bianca Zapf, die den Einsatz leitet, meldet keine besonderen Vorkommnisse. Es ist alles friedlich verlaufen, wie sonst in Forchheim immer schon. Die Einsatzstärke der Polizei richtet sich nach der angemeldeten Teilnehmerzahl, erklärt Zapf und betont, das die Polizei diesmal auch deshalb dabei ist, falls es zu einer Gegendemonstration kommen würde. Sonst kommt fast nie Polizei zu den Mahnwachen in Forchheim. Denn zu klein ist die Anzahl der Teilnehmer meistens.
Ich bin vollkommen bei den Demonstranten. In einer Demokratie ist die freie Meinungsäußerung eines der höchsten Güter. Dies darf keinesfalls durch irgendwelche Notstandsgesetze, die im Falle von Corona unverhältnismäßig waren und sind, wie sich inzwischen herausgestellt hat, außer Kraft gesetzt werden. Eine ausgewogene und objektive Berichterstattung muss jedoch alles einbeziehen. Auch die Kritik von Anwohnern die sich dadurch belästigt fühlen.
Nicht beweisbarer Verschwöhrungsunsinn schadet dem Ganzen aber mehr als er im nützt. Ich kann nur raten, sich dabei an die beweisbaren Fakten zu halten und einem Bill Gates keinerlei Gehör zu geben, noch Aufmerksamkeit zu schenken. Dies ist nicht nur kontraproduktiv, sondern schadet letzendlich dem gewünschten erreichbaren Ziel und rückt die Demonstrierenden in den Bereich der so genannten Verschwöhrungstheorie.
Alles haben unsere verantwortlichen Politiker mit Sicherheit auch nicht falsch gemacht. In deren Haut möchte ich selbst nicht stecken !
Vieles hätten die Verantwortlichen aber besser machen können, ja müssen ! Es wurde und wird nach wie vor unglaublich viel Unsinn produziert und verordnet !
Eines dieser "Blödsinnsverordnungen" ist die "Maskenpflicht" insbesondere für Kinder in Schulen, die nicht etwa die Bayerische Staatsregierung oder Bundesregierung angeordnet oder beschlossen hat, sondern die Schulämter und Schulleiter im vorauseilenden Gehorsam von sich aus verordnen und anweisen. Und dies ohne gesetzliche Grundlage. Thomas Weichert Freier Journalist
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