Konstituierende Sitzung Marktgemeinderat Gößweinstein Hänchen und Hölzel gewählt In Morschreuth wählte das Gremium Manfred Hänchen und Kerstin Hölzel in ihre Ämter.
Von Thomas Weichert
Gößweinstein
Sehr gut besucht war die konstituierende Sitzung des Marktgemeinderats Gößweinstein im Kreativzentrum in Morschreuth. Unter den Zuhörern waren auch die Bürgermeisterkandidaten Georg Rodler (FWG/BMG/SPD) aus Hungenberg und Christina Weichert (NLG) aus Wichsenstein. Wobei beide parteilos sind und nicht Mitglied einer Partei oder Wählergemeinschaft. Da es noch keine erste Bürgermeisterin oder keinen ersten Bürgermeister gibt, die oder der aufgrund des Ausscheidens von Hanngörg Zimmermann (FW), der zum Landrat gewählt wurde, standen die Wahlen zum zweiten und dritten Bürgermeister an. Zunächst vereidigte der „Übergangsbürgermeister“ Manfred Hänchen (CSU/JuF) die vier neuen Marktgemeinderäte und eine neue Marktgemeinderätin. Diese sind Anna-Lena Schäfer, Alexander Distler und Matthias Kraus (alle drei CSU/JuF) sowie Bernd Herzing und David Schrüfer (beide FWG/BMG). Danach schlug CSU/JuF-Bürgermeisterkandidat Dietmar Winkler seinen Parteifreund Manfred Hänchen, der bisher dritter Bürgermeister war und die Amtsgeschäfte übergangsweise nach dem Ausscheiden von Zimmermann und dem bisherigen zweiten Bürgermeister Georg Bauernschmidt (SPD) leitete, Manfred Hänchen als neuen zweiten Bürgermeister vor. Einen Gegenvorschlag aus dem Gremium gab es nicht. Sodann wurde geheim gewählt. Ergebnisse der geheimen Wahlen im Rat
Geschäftsstellenleiter Peter Thiem verkündete nach Stimmauszählung das Ergebnis. Alle 16 Stimmen waren gültig, auf Hänchen entfielen 15 und auf Carolin Keller (FWG/BMG) eine. Hänchen nahm die Wahl an, dankte für das Vertrauen und freute sich, dass er so viele Stimmen bekommen hatte. Für die nachfolgende Wahl des dritten Bürgermeisters schlug Daniela Drummer (FWG/BMG) SPD-Ortsvereinsvorsitzende Kerstin Hölzel (SPD) vor. Die SPD hat im neuen Rat mit nur noch zwei Ratsmitgliedern, neben Kerstin Hölzel den parteilosen Andreas Brendel aus Hungenberg, und somit keinen eigenen Fraktionsstatus mehr. Für Kerstin Hölzel votierten 13 Räte, für Carolin Keller (FWG/BMG) einer, und eine Stimme war ungültig.
Die Freien Wähler und die Schwesterliste Bürgergemeinschaft
Marktgemeinde Gößweinstein (BMG) und die SPD setzen dabei offenbar alles auf eine Karte. Nämlich, dass ihr gemeinsamer Bürgermeisterkandidat Georg Rodler zum ersten Bürgermeister gewählt wird. Sollte dieser Fall am 21. Juni nicht eintreten und Dietmar Winkler oder Christina Weichert gewählt werden, dann hätten die Freien Wähler in Gößweinstein keinen Bürgermeister oder Bürgermeisterstellvertreter mehr.
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Die neuen Gößweinsteiner Gemeinderäte sprechen ihren Amtseid. Von links Alexander Distler (CSU/JuF), Anna-Lena Schäfer (CSU/JuF) Matthias Kraus (CSU/JuF) Bernd Herzing (FWG/BMG) und David Schrüfer (FWG/BMG). Der Kommentar von dem Journalistem Thomas Weichert:
Alles auf eine Karte – Das riskante Spiel im Gößweinsteiner Marktgemeinderat
Von der konstituierenden Sitzung in Morschreuth geht ein Signal aus, das weit über die Wahl von Stellvertretern hinausreicht. In Gößweinstein wird derzeit politisches Poker auf höchstem Niveau gespielt – und Christina Weichert könnte dabei das lachende Gesicht einer neuen Ära werden.
Die Fakten der ersten Sitzung lesen sich wie ein strategischer Rückzug der etablierten Kräfte: Manfred Hänchen (CSU) ist zweiter, Kerstin Hölzel (SPD) dritte Bürgermeisterin. Auffällig ist, wer fehlt. Die Freien Wähler (FWG) und die Bürgergemeinschaft (BMG), jahrelang prägende Kräfte unter dem jetzigen Landrat Hanngörg Zimmermann, besetzen keinen der Stellvertreterposten mehr.
Dieses Vakuum ist kein Zufall, sondern ein riskantes All-In-Manöver. Man setzt alles auf den gemeinsamen Kandidaten Georg Rodler. Das Kalkül: Den Chefsessel erobern oder ganz in der Opposition verschwinden.
Genau hier liegt die goldene Chance für Christina Weichert. Während sich CSU, FWG und SPD in Postenschach und Fraktionsarithmetik verstricken, kann die 26-Jährige das Narrativ der „unbelasteten Macherin“ besetzen. Für Weichert ist die aktuelle Konstellation im Gemeinderat das perfekte Anschauungsmaterial für ihre Kampagne:
1. Das Ende der Hinterzimmerpolitik: Weichert kann glaubhaft argumentieren, dass die Bürger eine Bürgermeisterin verdienen, die nicht Teil von Fraktionsabsprachen ist, bei denen es mehr um Posten als um Inhalte geht. 2. Die Brückenbauerin: Wenn Rodler scheitert, droht den Freien Wählern die politische Bedeutungslosigkeit in der Rathausführung. Weichert könnte sich als diejenige positionieren, die – frei von alten Gräben – alle Lager wieder an einen Tisch bringt. 3. Modernität statt Tradition: Während der Rat sich im Kreativzentrum Morschreuth mit Personalien befasst, kann Weichert mit Themen wie Digitalisierung und moderner Verwaltung punkten. Sie ist die einzige Kandidatin, die nicht beweisen muss, warum sie es „diesmal anders“ macht – sie hat schlicht keine politische Altlast.
Der Ausgang am 21. Juni ist völlig offen. Doch eines ist sicher: Durch den Verzicht der FWG/BMG auf die Stellvertreterposten wurde der Wahlkampf polarisiert. Christina Weichert muss nun nur noch den Wählern vermitteln, dass sie die nötige Stabilität bietet, um dieses politische Vakuum zu füllen. In Gößweinstein wird nicht mehr nur über Wege und Wasserleitungen und Kanalbauten entschieden. Es geht um die Frage, ob das "Dorf-Parlament" sich im Kreis dreht oder ob eine junge, parteilose Frau die festgefahrenen Strukturen aufbricht. Das Risiko der „Etablierten“ ist Weicherts größtes Kapital.
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