Die süßeste Versuchung, seit es Haushaltslöcher gibt
Eine Glosse über die Zuckersteuer
Deutschland hat ein neues Feindbild. Vergessen Sie die marode Bahn oder das wankende Rentensystem. Die wahre, die existenzbedrohende Gefahr für die Bundesrepublik lauerte im Supermarktregal: Es war die Cola Zero. Fast hätte sie uns erwischt, die lang ersehnte Zuckersteuer. Ein Geniestreich der politischen Pädagogik! Da die Politik den Bürgern das Denken ohnehin schon länger abnimmt, wollte das Finanzministerium ihnen nun auch noch den Süßstoff wegbesteuern. Man wollte uns den Diabetes quasi präventiv per Gebührenbescheid austreiben – selbst dort, wo gar kein Zucker drin ist. Eine edle Absicht. Dumm nur, dass im berüchtigten Eckpunktepapier der Fachbeamten der Begriff „Gesundheit“ auffällig oft durch das Wort „Einnahmen zur Haushaltsstabilisierung“ ersetzt wurde. Rund 650 Millionen Euro sollte der Spaß einbringen. Und weil man beim Stopfen von Haushaltslöchern bekanntlich schnell Appetit bekommt, hatte man die Steuer vorsorglich auf alles ausgeweitet, was im Entferntesten durch einen Strohhalm passt. Hier erreichte die politische Realsatire ihren absoluten Höhepunkt: Eine Zuckersteuer auf Getränke ohne Zucker. Das muss man erst einmal intellektuell verdauen. Die Begründung der Experten grenzte an Poesie: Es gehe darum, die „übermäßige Süße“ im Leben der Bürger zu reduzieren. Der Staat schützte uns also nicht mehr vor Kalorien, sondern vor Geschmackserlebnissen. Doch bevor der Michel vollends den Verstand verlor, nahte Rettung in den sozialen Netzwerken. Finanzminister Lars Klingbeil schaute kurz von seinem eigenen Glas Cola Zero auf, sah das digitale Mistgabel-Gewitter und rief via Instagram das evolutionäre Machtwort: „Zuckersteuer auf Zero und Co? NEIN!“ Das mache er nicht, das ergebe ja keinen Sinn.
Ein faszinierender Einblick in die Berliner Regierungsarbeit: Im Finanzministerium weiß die rechte Hand offenbar nicht, was die linke tippt. Da arbeiten Heerscharen von Beamten wochenlang an komplexen Steuerplänen, nur damit der Chef sie am Ende mit einem einzigen Social-Media-Post als „fachlichen Arbeitsstand“ abmoderiert, den er angeblich noch nie auf dem Schreibtisch hatte. Man pfeift die eigenen Leute zurück, lobt sie im selben Atemzug für ihre Offenheit und schiebt die Schuld elegant auf die Medien, die das Ganze frecherweise gedruckt haben. Die Light-Limo bleibt also steuerfrei. Ein historischer Triumph für alle, die Chemie lieber mögen als Rübenzucker. Was bleibt, ist das eigentliche, gezuckerte Original-Getränk, das ab 2027 wie geplant bluten muss. Die Zuckersteuer rettet uns zwar weiterhin nicht vor Übergewicht, aber sie rettet zumindest einen Teil des Bundeshaushalts.
Am Ende zeigt sich mal wieder der wahre Kern deutscher Steuerpolitik: Wenn der Staat Geld braucht, wirft er eine Idee an die Wand. Wenn die Bürger laut genug buhen, zieht er sie wieder zurück und tut so, als wäre es nur ein kreatives Brainstorming gewesen. In diesem Sinne: Prost auf den Fiskus! Und trinken Sie ruhig weiter Ihre Cola Zero – sie schmeckt jetzt nicht nur nach Süßstoff, sondern auch herrlich nach bürokratischem Chaos.
Wir hoffen, dass dir unser Forum gefällt und du dich hier genauso wohlfühlst wie wir.
Wenn du uns bei der Erhaltung des Forums unterstützen möchtest, kannst du mit Hilfe einer kleinen Spende dazu beitragen,
den weiteren Betrieb zu finanzieren.