Es muss ein erhabenes Gefühl sein, zur moralischen Feuerwehr der Nation zu gehören. Man sitzt im gut geheizten Altbaubüro, nippt am Hafer-Latte und spürt diese urplötzliche, tiefe Pflichtlektüre-Verantwortung: Der Osten wählt mal wieder falsch! Also wirft man die Promi-Maschine an. Das Ergebnis klebt nun an sachsen-anhaltischen Litfaßsäulen und ist ein echtes Meisterwerk betreuten Denkens.
„Lieber vielfältig als einfältig“, prangt da in feinstem Volkshochschul-Design. Die Botschaft ist so subtil wie ein Vorschlaghammer: Wer das Kreuz am Wahltag nicht da macht, wo die Berliner Blase es gern hätte, ist nicht nur politisch falsch gewickelt, sondern schlichtweg zu doof zum Eierkochen. Das ist keine Zuspitzung, das ist gelebte Nächstenliebe im Elfenbeinturm. Und weil das Volk ja bekanntermaßen den Humor von Christian Lindners Steuererklärung besitzt, klebt man noch einen Sticker mit Zwinkersmiley dazu. „Bürger haften für ihre Politiker.“ Haha, verstehste? Schenkelklopfer im Comic-Ton. Da wählt man doch gleich viel lieber, was befohlen wird.
Das eigentliche Highlight ist jedoch die optische Definition von „Vielfalt“, die uns die Initiatoren Dieter Hallervorden und Oliver Kalkofe hier präsentieren. Wer eine bunte, lebendige Truppe erwartet hat, unterschätzt die Radikalität des öffentlich-rechtlichen Vorabendprogramms. Auf dem Plakat versammelt sich eine homogene Riege ergrauter Edel-Promis, die so viel optische Diversität ausstrahlen wie eine Packung Toastbrot. Ein funkelndes Denkmal der Ultra-Boomer, die sich in ihrer kollektiven Selbstgefälligkeit zu Bronze erstarrt präsentieren.
Dass auf der Liste der erlaubten Demokratie-Retter auch die SED-Nachfolgepartei „Die Linke“ fröhlich mitwinkt, ist dann der finale Geniestreich. Da wächst zusammen, was eigentlich in die Geschichtsbücher gehört. Hauptsache, die Front steht. Im Netz wird die Pädagogik-Offensive der Alimentierten bereits gebührend gefeiert. Die Reaktionen changieren elegant zwischen schallendem Gelächter und historischem Gruseln. Viele fühlen sich spontan an die Nationale Front der DDR erinnert – nur dass die Plakate damals irgendwie professioneller designt waren.
Fazit: Früher haben Satiriker die Mächtigen vorgeführt. Heute drucken sie Plakate, um den Wähler zu beschimpfen. Das ist die beste Satire aller Zeiten. Sie merkeln es nur selbst nicht mehr.
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