Wer kennt es nicht, das Zwetschgenmännla, dass es vor allem in über 350 Variationen auf dem Nürnberger Christkindlesmarkt gibt. Um ein solches Zwetschgenmännla zu basteln, braucht es gedörrte Zwetschgen, die früher aus den zahlreichen Obstdörren der Fränkischen Schweiz kamen. Einer der letzten in der Fränkischen Schweiz, der noch Zwetschgen und anders Obst in seiner historischen Obstdarre dörrt ist Friedrich Kropfeld in Drosendorf in der Gemeinde Eggolsheim.
„Früher war es überlebenswichtig Obst durch Dörren haltbar zu machen“, sagt der 74-jährige Obstbauer und Senior-Chef des bekannten „Kropfeld-Kellers“, einem der schönsten Biergärten in der Fränkischen Schweiz inmitten von Obstbäumen. Dörren war aber nicht nur überlebenswichtig, sondern für die Obstbauern auch eine gute Einnahmequelle, Denn das Dörrobst aus der Fränkischen Schweiz wurde auch auf den Wochenmärkten in Nürnberg, Erlangen oder Bamberg verkauft. Heute betreibt die Kunst des Obstdörrens kaum mehr jemand. Für Friedrich Kropfeld ist es nur noch ein Hobby für den Eigengebrauch. „Die jungen Leute essen kein Dörrobst mehr“, sagt Kropfeld, der die historisch wiederaufgebaute Darre, die sein Großvater Georg Kropfeld, genannt der „Wirts Gürch“ vor über 100 Jahren in der Drügendorfer Straße gebaut und betrieben hat. Diese Darre musste 1990 dem Straßenbau weichen und wurde daher abgebaut, und am jetzigen Standort oberhalb des Biergartens wieder nach historischem Vorbild aufgebaut. Möglich wurde dies damals im Zuge der Flurbereinigung. Das Amt für ländliche Entwicklung finanzierte die Arbeitszeit und das Material zur Umsiedlung der Darre. Das Dach auf der historisch nachgebauten Darre ist das alte der ehemaligen Darre. Für das Fachwerk wurde auch altes Holz verwendet das der exzellente Zimmermann Georg Fuchs aus Dürrbrunn auf das von Kropfeld selbst gemauerte Fundament setzte. 1992 wurde die Darre erstmals wieder befeuert. Um an den Zuschuss zu kommen, musste sich Kropfeld damals verpflichten, mindestens zehn Jahre lang Obst auch für andere Obstbauern zu dörren. Akribisch überwacht wurde der Wiederaufbau der Darre von Lothar Winkler, der damals Zweiter Vorsitzender der Teilnehmergemeinschaft war und heute das Amt für ländliche Entwicklung in Bamberg leitet. Heute kommt keiner mehr um sein Obst dörren zu lassen. Kropfeld dörrt daher nur noch sein eigenes Obst das rund um die Darre wächst. Hauptsächlich Zwetschgen, „Sussbirnen“ und „Nächalasbirnen“, wie die ganz kleinen fränkischen Birnensorten heißen. „Größere Birnen eigenen sich nicht dafür, die haben zu viel Wasser“, erklärt Kropfeld. Dörrt man Äpfel, müssen sie vorher in Scheiben geschnitten werden, die sogenannten „Apfelschnitz“. Auch Wallnüsse vom eigenen Baum werden manchmal noch gedörrt. Hauptsächlich dörrt Kropfeld aber Zwetschgen. Und das ist eine absolute Kunst, überliefert vom Vater und Großvater. Zunächst müssen die reifen Zwetschgen geerntet werden. Mit dem Traktor schüttelt Kropfeld seine Zwetschgenbäume. Nur die guten Früchte können dann zu Dörrzwetschgen, aus den angeschlagenen und überreifen brennt er Zwetschgenschnaps. Aus diesem Schnaps wird dann der „Gedörrte“ hergestellt. Dafür braucht es zwei bis drei Kilogramm Dörrzwetschgen auf zehn Liter Zwetschgenbrand. Dann wird es ein Likör, der „Gedörrte“, der eine Spezialität im Biergarten ist. Schon die Ernte ist sehr zeitintensiv, und das Dörren noch mehr. Täglich zur Reifezeit der Zwetschgen Kropfeld früh und Abends seinen Dörrofen an. 40 bis 50 Grad ist die Temperatur die im Backraum für jeweils eine Stunde eingehalten werden muss. „Schon bei 60 Grad gibt es Pfeufer“, sagt Kropfeld. Dann zerreißt es die Zwetschgen, sie haben keinen Saft mehr und sind innen hohl. Nach dem Dörrvorgang müssen die gedörrten Früchte auf dem „Zennla“ mit der Hand ausgelesen werden. Jene, die noch nicht die gewünschte Konsistenz haben, kommen erneut in den Dörrofen. Die großen Holzscheite dürfen auch nicht brennen, nur glimmen. Ein Zentner frischer Zwetschgen ergibt etwa 40 Pfund gedörrte Früchte, die unverpackt über den ganzen Winter halten. Wie Kropfeld erklärt, sind Dorrzwetschgen gesund. Sie fördern zum Beispiel die Verdauung und sind eine großartige Ballaststoff-, Vitamin- und Mineralstoffquelle. Die Bauern hatten früher immer Dörrzwetschgen in der Tasche als sie „ins Holz“ gingen. „Kaut man sie wie Kaugummi, dann hat man weder Durst noch Hunger“, so Kropfeld. Junge Leute machen meist den Fehler in beißen rein. „Man muss sie ganzen in den Mund nehmen und „aufleima“, wie das Kauen Rollen auf fränkisch heißt. Heute kommen auch nur ältere Menschen um die Dörrzwetschgen zu kaufen. „Da werden noch Erinnerungen an frühere Zeiten wach und ältere Leute wollen die Dörrzwetschgen noch am Weihnachtstisch haben“, so Kropfeld, der der letzte seiner Zunft auch in Drosendorf sein wird. „Nach mir wird es keiner mehr weitermachen“, sagt er. Nur drei Wochen im Jahr ist die Darre zur Erntezeit der Zwetschgen in Betrieb.
Info:
Die Dörrzwetschgen sind in 500 Gramm Tüten im Kropfeld-Keller erhältlich. Ebenso der Likör der „Gedörrte“. Früher gab es alleine in Drosendorf 14 Obstdarren. Fast jeder Ort in der Fränkischen Schweiz hatte mehrere Obstdarren. Darren gibt es heute noch in Eggolsheim, in Weingarts die aktuelle restauriert wird, in Ermreuth am Pfarrhaus und in Schnaid. Die Liste erhebt aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
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