Nein, es war kein Aprilscherz, wie viele zuerst dachten. In der größten Schauhöhle der Fränkischen Schweiz, der Teufelshöhle bei Pottenstein, haben die beiden Höhlenforscher Hanns Nägerl (80) aus Sulzbach-Rosenberg und Hans-Joachim Betko (61) aus München tatsächlich einen neuen Höhlenraum entdeckt. Und dieser ist mit zirka 20 Metern Länge, 20 Metern Breite und zehn Metern Höhenunterschied größer als der bisher größte Höhlenraum, der „Riesensaal“. Wenn es nach Nägerl und Betko geht, die im Auftrag des Zweckverbands Teufelshöhle in der Höhle seit über 30 Jahren forschen, dann wird der von ihnen schon im Dezember letzten Jahres entdeckte Höhlenraum „Kathedrale“ genannt.
Bild links: Die Endecker Hanns Nägerl (l.) und Hans-Joachim Betko (r.) mit Bürgermeister Stefan Frühbeißer vor der Teufelshähle. Bild rechts: Blick in den neu enteckten Höhlenraum. Fotos: Stefan Brand/Nordbayerischer Kurier.
Als erste Zeitung berichtete der Nordbayerische Kurier am 1. April online wie in seiner Printausgabe über die Entdeckung, andere Regionalzeitungen übernahmen den Artikel über diesen „Sensationsfund“. Wie Autor Stefan Brand, Koordinator der Regionalredaktion beim Nordbayerischen Kurier erklärt, wollten Nägerl und Betko, dass sich mit dieser Berichterstattung ein Kreis schließt: Denn er hatte schon in der Kurier-Weihnachtsausgabe von 1994 die Anfänge der beiden Höhlenforscher mit einer Reportage begleitet. So sei ein Vertrauensverhältnis entstanden. Daher kamen die beiden „Entdecker“ nun wieder auf ihn zu, ein Wunsch, dem auch Bürgermeister Stefan Frühbeißer als Zweckverbandsvorsitzender folgte. Zwischen dem Zweckverband und den beiden Forschern besteht laut Frühbeißer eine vertragliche Vereinbarung über die Öffentlichkeitsarbeit. Betko ist Geowissenschaftler und Bergbautechniker und Nägerl hat schon vieles gemacht in seinem Leben gemacht. So fuhr der heute 80-jährige schon zur See oder arbeite als Physiotherapeut und war vor 20 Jahren sogar Weltmeister im Bankdrücken in dieser Altersklasse. Schließlich erfüllte er sich seinen Traum als Höhlenforscher. Laut Stefan Brand kann man von der Entdeckung des neuen Höhlenraums schon von einer Sensation sprechen. „Es war immer eigentlich bekannt, dass es irgendwo neue Räume geben muss, aber nicht genau wo. Sie haben dabei modernste Messtechnik eingesetzt und sind jetzt fündig geworden. Das Sensationelle an der Geschichte ist vor allem die Größenordnung des Raumes“, sagt Stefan Brand.
Regierung und Landratsamt bestätigen die Entdeckung
Ob die Entdeckung eine "Sensation" darstellt oder nicht, kommentiert die Regierung von Oberfranken zwar nicht, bestätigt aber auf Anfrage das es sich nicht um einen Aprilscherz, sondern um einen neuen Raum in der Teufelshöhle handelt. „Der Zugang erfolgt über eine 15 Meter lange Kriechstrecke. Diese Kriechstrecke ist aber aktuell nicht nutzbar für den Besucherverkehr. Ob der Frage, ob man sie erweitern kann, gibt es Vorgespräche zwischen dem Zweckverband Teufelshöhle und dem Bergamt. Das Bergamt erwartet nunmehr einen Genehmigungsantrag seitens des Zweckverbands“, so Michael Weiser, Pressesprecher der Regierung von Oberfranken. Die untere Naturschutzbehörde am Landratsamt Bayreuth ist über die Entdeckung ebenfalls informiert. Für eine Erschließung des Raumes als weitere Schauhöhle, in der es jedoch keine spektakulären Tropfsteine wie in anderen Höhlenbereichen zu bestaunen gibt oder als weiterer Therapieraum für Atemwegspatienten, sei noch zu wenig bekannt, so Pressesprecher Herbert Retzer. Grundsätzlich müssten zunächst die Fragen des Arten-, Biotop- und Landschaftsschutzes geklärt werden. Denn die Teufelshöhle liegt in einem sehr sensiblen Schutz- und FFH-Gebiet.
Bürgermeister kriechte selbst durch die Kriechstecke
Jedenfalls sind nun erst einmal die Experten vom Denkmalschutz, dem Naturschutz und dem Bergamt am Zuge um Untersuchungen anzustellen, sagt Frühbeißer. „Aus Sicherheitsgründen wurde der Raum erst einmal verschlossen und wo er sich in der Teufelshöhle genau befindet, sagen wir nicht.“ Jedenfalls ein Höhenraum mit einem Kamin von dem noch unklar ist wo hin dieser führt. „Nicht das bei Führungen jemand vom regulären Weg abweicht und auf eigene Faust nach dem Raum sucht“, so Frühbeißer. Für ihn steht jedenfalls fest das diese Entdeckung die Attraktivität der Teufelshöhle enorm steigern wird. Frühbeißer war selbst schon in den Raum gekrochen. Er bestätigt die ungefähre Größe die aber noch genau vermessen werden muss. Jedenfalls sei der Raum, der laut den beiden Höhlenforschern ein Teil eines unterirdischen Flusslaufes gewesen sein muss, der größte Höhlenraum der hier bisher entdeckt wurde. Dahinter gibt es nach Meinung der Experten sicherlich noch weitere Höhlenräume. Ob der Raum im Jahr 2022 zum 100-jährigen Jubiläum der Höhlenentdeckung bereits für die Öffentlichkeit zugänglich sein wird, kann heute noch niemand sagen.
Preu gratuliert, erinnert aber auch an unschöne Ereignisse
„Ich gratuliere den Herren Nägerl und Betko zu ihrer, so hart erkämpften Entdeckung der „Kathedrale“, sagt Dieter Preu, Referatsleiter für Labor und Projekte der Forschungsgruppe Höhle & Karst Franken die in der Teufelshöhle seit den 1970er Jahren ein Forschungslabor betreibt. Vom Bild her das in der Presse erschienen ist, hält Preu den neu entdeckten Höhlenraum jedoch eher für eine „Lehmkammer“. Wenn Preu ins Jahr 1997 zurück denkt werden bei ihm ungute Erinnerungen an die beiden „Entdecker“ wach. „Sie wollten damals einen sogenannten Spiegelsaal finden, wenn nicht gar das Bernsteinzimmer“, so Preu. „Dabei hat man im Kleinen Teufelsloch durch Niederbringen von drei Schächten, drei mal drei Meter und zirka vier Meter tief, die gesamte Sedimentschicht in der Höhle zerstört. Diese ist wegen der eiszeitlichen Kleinfauna ein wissenschaftlich wichtiger Fundort gewesen. Nach Einstellung der erfolglosen Aktion wurde die Höhle mit einer Mauer verschlossen, die verrosteten Hinterlassenschaften liegen heute noch dort und die Schächte verstürzen zunehmend. Von der Oberfläche über einem Teil der Großen Teufelshöhle aus wurden weitere sechs Bohrungen niedergebracht, eine davon als Kernbohrung mit 80 Zentimeter Durchmesser. Diese und eine kleinere Bohrung trafen in den von der Forschungsgruppe seit den siebziger Jahren als Höhlenlabor genutzten Teil, also wieder kein Neuland. Das Wasser der Bohrlochspülung brach in den erbohrten Raum aus und verschwemmte weite Gangstrecken mit lehmigen Sedimenten. Durch Unterspülung stürzte eine Tropfsteinpartie, Gewicht zirka eine Tonne, ab und zerstörte die dort installierte Elektronik zur Erfassung von Tropffrequenzen an Deckentropfsteine“, so Preu. Dieses Vorgehen hatte die Höhlenforschung damals als dilettantisch bezeichnet. Der angerichtete Schaden im wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Bereich sei enorm, gewesen, so Preu der betont: „So sucht man keine Fortsetzungen in Höhlen und so wären nicht einmal Hobbyforscher vorgegangen.“ Preus Forschungsgruppe bleib bis heute auf dem angerichteten Sachschaden an ihren Geräten sitzen. „Das ist nun viele Jahre her und war eigentlich schon vergessen. Durch den nun endlich eingetretenen Erfolg werden allerdings Erinnerungen an den ungewöhnlichen Verlauf dieser Suche nach dem Bernsteinzimmer und dem, von Teufelshöhlenentdecker Hans Brand angeblich entdeckten, sagenumwobenen Spiegelsaal wieder wach. Das ist nun viele Jahre her und war eigentlich schon vergessen“, so Preu.
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