100 Jahre Niederbronner Schwestern in Gößweinstein – Jubiläumsfeier am Ostermontag
Von Thomas Weichert
GÖSSWEINSTEIN
Ein sanftes Lächeln liegt auf dem Gesicht von Schwester Jakoba Hierl. Seit 1. Oktober 2015 ist sie die Hausoberin der Schwestern vom göttlichen Erlöser im Haus Loreto in Gößweinstein. „Kaum im Haus, schon darf ich das 100-jährige Jubiläum feiern“ freut sie sich. „Heute ist das Haus Loreto noch immer ein Erholungsort für die Niederbronner Schwestern und Schwestern anderer Orden. „Unsere Einrichtung kann auf eine bewegte Zeit zurückschauen“, so die Oberin.
Am Ostermontag, 17. April, findet daher um 10.30 Uhr ein Festgottesdienst in der Basilika mit anschließendem Sektempfang auf dem Basilikavorplatz statt. Mit einer feierlichen Vesper nachmittags um 16 Uhr klingt die Einundertjahrfeier der Niederbronner Schwestern in Gößweinstein aus. Dazu sind alle Pfarrangehörigen, Freunde und Gönner der Niederbronner Schwestern herzlich eingeladen. Als Festgäste haben sich unter anderem schon Landrat Dr. Hermann Ulm (CSU) und die CSU-Bundestagsabgeordnete Dr. Silke Launert angemeldet.
19. April 1917
Es ist ein denkwürdiger Tag, dieser 19. April des Jahres 1917, ein Donnerstag. Es ist gegen 13 Uhr. Gespannt und mit großer Freude erwarten Pfarrer Kaspar Koch mit der Vorstandschaft des Schwesternvereins sowie eine Schar jubelnder Kinder den Wagen mit Schwester Oberin Cöliflora und Schwester Alberta. Begleitet werden beide von den Schwester Oberinnen Jolanda und Connesca. Das neue Schwesternhaus in Gößweinstein, Hausnummer 77 (heute Balthasar-Neumann-Straße 15, Spielzeugmuseum und früher Postamt), ist mit Fahnen, Girlanden und Tannenbäumchen geschmückt. Mit der Begrüßung der Schwestern vom göttlichen Erlöser durch Pfarrer Kaspar Koch ging ein großer Wunsch in Erfüllung und eine Ära begann.
Kein Arzt in Gößweinstein
Kranke sollten Hilfe und Pflege erfahren, da kein Arzt vor Ort war, und die wenigsten sich diesen überhaupt hätten leisten können. Für Kinder sollte die Möglichkeit geschaffen werden, einen Kindergarten zu besuchen. „Kinderbewahranstalt“ nannte man den damals. Die Schwestern vom göttlichen Erlöser wurden am 28. August 1849 von der im elsässischen Niederbronn geborenen Mutter Alfons Maria, die auf den Namen Elisabeth Eppinger getauft wurde, gegründet. Ihre Berufung sehen die Schwestern damals wie heute in der Betreuung von Kindern und der Pflege von Kranken und Armen. Der Orden gründete schon bald weitere Gemeinschaften, darunter auch in Wien. Dort lernte der aus Gößweinstein stammende Franz Weidinger den selbstlosen Dienst der Niederbronner Schwestern kennen und schätzen. Durch seine große Geschicklichkeit und rastlosen Fleiß brachte er es im fernen Wien bis zum kaiserlichen Rat und erwarb sich ein großes Vermögen. Damit kaufte er unter anderem das Gebäude Hausnummer 77 in Gößweinstein, in dem er sich auch jährlich mehrere Wochen mit seiner Frau aufhielt, das er aber insbesondere nach seinem Ableben den Niederbronner Schwestern vermachte. Diese sollten dort eine Krankenstation, eine Kleinkinderschule sowie ein Erholungsheim für Schwestern einrichten.
Stifter Franz Weidinger
Nach dem Tod von Franz Weidinger am 16. April 1916 erfüllte sich nun das Vermächtnis des honorigen Stifters. Voller Elan nahmen die Schwestern ihre Arbeit sowohl in der Krankenpflege, der Kinderbetreuung wie auch als Handarbeitslehrerinnen auf. Neben Gößweinstein umfasste der Handarbeitsbezirk auch Tüchersfeld, Pottenstein, Haßlach, Kirchenbirkig, Kleingesee und Moggast. Waren die Schwestern zunächst zu Fuß unterwegs, so war die Anschaffung eines Fahrrads schon ein wesentlicher Fortschritt, da nun die Entfernungen doch deutlich schneller bewältigt werden konnten. Die radelnde Nonne war zunächst gewöhnungsbedürftig, allerdings doch bald ein vertrautes Bild. Die zur Erholung nach Gößweinstein kommenden Schwestern nahmen zu und belebten das Haus. Der Kindergarten entwickelte sich ebenfalls prächtig. Daher sollte schon 1930 mit dem Bau eines Kinder- und Handarbeitssaales begonnen werden. Doch es kam anders. Das Mutterhaus der Schwestern in Neumarkt musste wegen der finanziellen Lage seine Finanzierungszusage zurücknehmen. Dies rief einen weiteren großherzigen Stifter auf den Plan: Freiherrn Heinrich von Hausen in Scheinfeld.
Villa Loreto
Dieser stellte seine Villa Loreto in Gößweinstein, Hausnummer 89, zur Verfügung. Zunächst für eine Miete von monatlich 100 Mark, nach seinem Tod und dem Tod seiner Schwester als Vermächtnis. So wurde das bisherige Schwesternhaus für 12000 Mark an die Oberpostdirektion Bamberg verkauft, mit dem Erlös und der fleißigen Unterstützung von Helfern die Villa Loreto den neuen Bedürfnissen angepasst und am 10. Oktober 1932 bezogen. Die neue Filiale der Ordensgemeinschaft diente nun als Station der Krankenschwestern, als Kindergarten und als Erholungsheim für Ordensangehörige. Der Stamm des Hauses wuchs bis 1936 aufgrund der gestiegenen Nachfrage in allen Bereichen auf acht Schwestern an. Davon waren zwei Schwestern als Fachlehrerinnen für Handarbeit in der Schule Gößweinstein, weitere zwei Schwestern in der Krankenpflege und eine Schwester im Kindergarten tätig. Ein lang gehegter Wunsch der Schwestern ging am 19. März 1938 mit der Benedizierung der eigenen Hauskapelle in Erfüllung. Dort in der Viktor-von-Scheffel-Straße befindet sich noch heute das Schwesternhaus, das sich ungebrochener Beliebtheit bei Erholung suchenden Schwestern erfreut. Allerdings musste die Villa Loreto einem funktionalen Neubau weichen, der am 12. März 1966 bezogen wurde. Bis zum Jahr 1981 war die Nachfrage der Erholungssuchenden wiederum gestiegen, so dass zwischenzeitlich elf Schwestern für einen reibungslosen Ablauf des Betriebes im Haus sorgten. Doch auch dieser Neubau musste zwischenzeitlich mehrfach modernisiert und saniert werden, um stets ein zeitgemäßes Angebot für das leibliche und seelische Wohl vorzuhalten.
Mädchen lernten stricken und kochen
Mehr als 70 Jahre waren die Schwestern an der Schule in Gößweinstein ein vertrautes Bild. Gerade Mädchen wurden in den Fächern Handarbeit und Hauswirtschaft wichtige Kenntnisse für ihr weiteres Leben vermittelt. In guter Erinnerung sind bei vielen immer Schwester Adelgunda, die von 1959 bis 1969 als Fachlehrerin tätig war. Von 2002 bis 2015 leitete sie die Gemeinschaft im Loreto. Im Jahr 1989 beendete Schwester Hildegard ihren Schuldienst, den sie 20 Jahre lang ausübte. Damit endete auch die Tätigkeit der Niederbronner Schwestern an der Volksschule Gößweinstein.
Kranke gepflegt
Das segensreiche Wirken haben ungezählte kranke und pflegebedürftige Menschen erfahren. Unvergesslich werden dabei die Schwestern Dietholde, Odilberta, Justa und Suitberta bleiben. Anfangs zu Fuß, dann mit dem Fahrrad, dem Motorrad oder dem Goggomobil waren die Schwestern zu jeder Tages- und Nachtzeit, bei jedem Wetter, ob es stürmte oder schneite, unterwegs, um Hilfe zu bringen und den Kranken oft in ihrer letzten Stunde beizustehen. Besonders während des Krieges, wo kaum Ärzte zur Verfügung standen, war ihre Hilfe vonnöten und in den letzten Monaten des Krieges erfolgte ihr Einsatz oft unter Lebensgefahr. Ihr Dienst wurde 1994 vollständig von der Sozialstation Ebermannstadt übernommen.
Kindergarten errichtet
Der Wille des Stifters Franz Weidinger war auch die Errichtung eines Kindergartens. Diesem Auftrag wurden die Schwestern von Beginn an gerecht. Zunächst in den eigenen Häusern, ab 1965 in den Räumlichkeiten der Katholischen Pfarrei Gößweinstein in der ausgebauten Pfarrscheune, die als Notunterkunft bis zum Einzug in den neuen Kindergarten am Kreuzberg am 5. November 1967. Die Leitung des neuen Kindergartens oblag Schwester Bergita bis 1973, anschließend Schwester Petra Götz bis 1986 und mit Schwester Petra Ochsenkühn endete schließlich am 31. August 2006 nach 90 Jahren die Leitung des Kindergartens in Gößweinstein durch die Niederbronner Schwestern. In diesen 100 Jahren ihres Wirkens erfreuen sich die Niederbronner Schwestern großer Beliebtheit. Dies nicht nur durch die Stiftungen eines Franz Weidinger oder Freiherr Heinrich von Hausen sichtbar, sondern auch durch die Unterstützung der örtlichen Pfarrer und nicht zuletzt durch die Wertschätzung in der Bevölkerung. Die Schwestern haben ihren oft bis an die Grenzen der Belastbarkeit gehenden Dienst ganz in ihrem Wahlspruch bewältigt: „De fontibus salvatoris – Schöpft voll Freude aus den Quellen des Erlösers“.
Das frühere Wohnhaus Weidinger, später Dominzil der Niederbronner Schwestern, dann der Post und heute des Spielzeugmuseums
Thomas
hat folgende Bilder an diesen Beitrag angehängt
100-Jahrfeier der Niederbronner Schwestern in Gößweinstein
GÖSSWEINSTEIN (tw-)
Es ist ein denkwürdiger Tag, dieser 19. April des Jahres 1917, ein Donnerstag. Es ist gegen 13 Uhr. Gespannt und mit großer Freude erwarten Pfarrer Kaspar Koch mit der Vorstandschaft des Schwesternvereins sowie eine Schar jubelnder Kinder den Wagen mit Schwester Oberin Cöliflora und Schwester Alberta. (Wir berichteten ausführlich). Genau 100 Jahre später konnten die „Schwestern vom Göttlichen Erlöser“, die vor allem als „Niederbronner Schwestern“ bekannt sind, am Ostermontag ihr 100-jähriges Jubiläum in Gößweinstein mit einem Festgottesdienst in der Basilika und einer anschleißenden Feier im Pfarrheim feiern. Der Festgottesdienst wurde von Pfarrer Pater Flavian Michali gehalten und von seinen Mitbrüdern David Zmuda, Igor Rybak, Aurelian Ziaja und Januari Sliwa konzelibriert. Für die musikalische Umrahmung sorgte der Basilikachor und Regionalkantor Georg Schäffner an der Orgel. Provinzoberin Rosa Fischer aus Nürnberg lies die Geschichte der Niederbronner Schwestern und deren segensreiches Wirken für Kranke und Kinder in und um Gößweinstein Revue passieren und Schwester Klara Sexlinger ging am Nachmittag auf die Gründungs- und Entwicklungsgeschichte der Niederbronner Schwestern ein. Die Ordensgemeinschaft wurde am 28. August 1849 von Elisabeth Alphonsa Maria Eppinger (Ordensname: Mutter Alfons Maria) mit Unterstützung von Johannes David Reichard, dem katholischen Pfarrer ihres Heimatortes Bad Niederbronn im Elsass und der Zustimmung des Straßburger Bischofs Andreas Räß unter der Bezeichnung „Orden der Töchter des Göttlichen Erlösers zur Verpflegung armer Kranken und zur Unterstützung anderer Armen“ gegründet. 1854 wurde die Gemeinschaft vom französischen Staat anerkannt. 1866, ein Jahr vor dem Tod der Gründerin, erfolgte die Bestätigung durch Papst Pius IX. Der Orden hat heute Provinzen in zahlreichen europäischen Ländern, Südamerika. Indien und Afrika. Für den Markt Gößweinstein gratulierte Bürgermeister Hanngörg (BMG) Zimmermann, für den Landkreis Landrat Hermann Ulm (CSU) und für den Bundestag CSU-Bundestagsabgeordnete Silke Launert. Sowie für den Pfarrgemeinderat Pfarrgemeinderatsvorsitzende Monika Lang.
Unser Bild zeigt die aktuellen und ehemaligen Niederbronner Schwestern von Gößweinstein mit Landrat Ulm, Bürgermeister Zimmermann und Bundestagsabgeordneter Launert. Foto: Thomas Weichert
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