Bei Bürgerversammlung in Breitenlesau kocht „Wasserthema“ hoch
Von Thomas Weichert
BREITENLESAU
Wenn es um die Trinkwasserversorgung geht, dann kochen die Emotionen meist hoch. So auch bei der Bürgerversammlung im Bürgerhaus von Breitenlesau zu der Bürgermeister Edmund Pirkelmann (BBS) ganz bewusst nur die Breitenlesauer eingeladen hatte um sie darüber zu informieren, dass jedenfalls nach seiner Meinung eine einmalige Chance verspielt wird die Wasserversorgung von Breitenlesau mit Hilfe der Juragruppe dauerhaft zu gewährleisten. Neben rund 50 Bürgern waren auch die Verbandsräte der Aufseßgruppe mit ihrem Ingenieur Alexander Dürrschmidt. Von der Juragruppe war Werkleiter Hans Hümmer gekommen der eine 133-seitige Powerpointpräsentation vorbereitet hatte. Ganz am Schluss von Hümmers Vortrag erfahren die staunenden Breitenlesauer dann, dass das Wasser der Juragruppe der Champagner unter den Trinkwässern weltweit ist der nie ausgeht. Selbst dann nicht wenn es ein ganzes Jahr nicht regnet. Denn so riesig und unerschöpflich ist das unterirdische Jurameer aus dessen Tiefen die Juragruppe ihr Trinkwasser fördert.
Pirkelmann macht nichts mehr
„Ziel der heutigen Veranstaltung ist es nicht heute hier die Juragruppe zu verkaufen. Das ist absolut kein Thema“, so Pirkelmann zu Beginn. Allerdings sei die Juragruppe der Garant dafür gewesen um viele Probleme für die Bürger in Waischenfelder Ortsteilen zu lösen. Pirkelmann ist zweiter Vorsitzender des Wasserzweckverbands der Juragruppe. Er betonte jedoch das er nicht in dieser Funktion tätig wurde, sondern als Bürgermeister der die Interessen der Bürger von Waischenfeld vertritt und für diese Vorteile herausholen will. So zum Beispiel eben zum Nulltarif für seine Bürger einen Anschluss an die Juragruppe. Pirkelmann betonte das diese Bürgerversammlung für ihn die entspannteste sei die er jemals gehalten habe. Weiter betonte er das er in Sachen Wasserversorgung für Breitenlesau nichts mehr macht. Wenn die Breitenlesauer jedoch eine andere Lösung als die Aufseßgruppe haben wollen müssen sie nun selbst tätig werden. „Dann müsst ihr euch selber auf die Socken machen und ihr könnt ja Unterschriften sammeln“, rief Pirkelmann seinen Breitenlesauern zu. „Schön das man uns zutraut das wir auch Staubsauger verkaufen können“, warf Hans Hümmer dazwischen und ging damit auf die Aussage des Aufseßer Bürgermeisters Ludwig Bäuerlein ein der ihn und Pirkelmann als „Staubsaugervertreter“ bezeichnet hatte. Laut Hümmer wolle Bäuerlein mit solchen Aussagen nur von der Sache ablenken. Zudem hätten Bäuerleins Aussagen immer nur eine Halbwertszeit von einen halben Jahr. In Aufseß habe Bäuerlein zum Beispiel die Hohlmeier nicht begrüßt, ein halbes Jahr später sei er mit ihr zum Bierwandern gegangen, so Hümmer. Pirkelmann wirft dann eine Karte an die Wand aus der ersichtlich ist das die Wasserversorgungen der Aufseßgruppe und der Gemeinde Aufseß rot markiert sind. Rot bedeutet das die Versorgungssicherheit in Gefahr ist. So wie das auch in Langeloh war als die Quelle plötzlich kein Wasser mehr hatte und Langenloh an die Juragruppe angeschlossen werden musste.
Dürrschmidt widerspricht
„Das wird auch bei der Aufseßgruppe in 15 bis 20 Jahren so kommen“, ist sich Pirkelmann sicher. Lautstark meldet sich nun Peter Schwarzmann aus Hubenberg zu Wort und zweifelt an das es sich um die neueste „Wasserkarte“ handelt die Pirkelmann präsentiert. „Nach der neuesten ist die Aufseßgruppe nicht mehr rot eingezeichnet“, wettert Schwarzmann und fordert Pirkelmann auf gleich die Wahrheit zu reden. „Jetzt schließt man über den Ranger an wo Kaupersberg keinen Millimeter weiter weg ist“, so Schwarzmann weiter und meint dann, dass er wieder geht wenn er nichts sagen darf. „Wenn sich drei Kranke zusammenschließen wird am Ende kein Gesunder rauskommen und wenn einer ausfällt den die anderen zwei dann beliefern müssen, dann wird`s knapp“, entgegnet Pirkelmann. „Das Aufseß ein Kranker ist, ist das falsche Wort“, wirft Dürrschmidt ein und betont das die Aufseßgruppe auch in den nächsten Jahren keine Probleme haben wird ausreichend Trinkwasser in bester Qualität zu liefern. „ich glaube auf den Kranken kann man stolz sein denn wir haben ihm noch einen Hosenträger und einen Gürtel verpasst“, fährt der Ingenieur der Aufseßgruppe fort und meint damit die Tiefbrunnen im Wiesenttal und in Aufseß. Dürrschmidt ist sich sicher dass die Aufseßgruppe durch die Verbindung mit diesen beiden Tiefbrunnen in Zukunft keine Probleme bekommen wird. Selbst dann wenn diese beiden Tiefbrunnen ausfallen würden könnte die Aufseßgruppe alleine immer noch den mittleren Tagesbedarf an Trinkwasser liefern. Allerdings nicht mehr den höchsten. Dies räumt Dürrschmidt ein. Wenn dieser Supergau eintritt, wovon nicht auszugehen ist, sei dies aber auch nicht das Problem der Kunden der Aufseßgruppe, sondern von Wiesenttal und Aufseß. Dem widerspricht Hümmer. „Eine Versorgung muss immer auf den Höchstbedarf ausgelegt sein“, so Hümmer der noch einmal auf Bäuerlein Aussagen eingeht. Denn dieser habe bei der Aufseßgruppe behauptet das die Juragruppe chlort. Dies sei ebenso „völliger Quatsch“ wie die von Bäuerlein dargestellte Nitratsituation. Das Wasser der Juragruppe werde nicht aufgebereitet, habe keinerlei chemische Zusätze, sei von Menschenhand unberührt und ist das größte Trinkwasserreservoir Nordbayerns, so Hümmer. „Wir sind die einzigen die wegen Pflanzenschutzmitteln nicht aufbereiten müssen“, so Hümmer der auf die Kooperation mit den Landwirten setzt und ankündigte den Entschädigungssatz zum Verzicht der Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln in den nächsten zehn Jahren deutlich zu erhöhen. Schon heute habe die Juragruppe laut Hümmer in ihren Schutzgebieten weniger Nitrat im Trinkwasser als die gute fachliche Praxis vorgebe. Durch den Anschluss der Köttweinsdorfgruppe an die Juragruppe wäre mit hohen Zuschüssen bei Baukosten von 1,8 Millionen Euro von Heroldsberg aus eine Ringleitung bis Kaupersberg möglich gewesen.
Hümmer kontert
Das hätte für alle Beteiligten jeweils nur 300000 Euro gekostet und wäre auch für die Aufseßgruppe, Aufseß und Wiesenttal weit wirtschaftlicher gewesen, rechnet Hümmer vor. „Damit hätte man für ein Butterbrot und ein Ei eine Versorgungssicherheit für die ganze Region schaffen können“, betonte Hümmer. Dies wäre auch für die Auseßgruppe eine deutliche Steigerung ihrer Versorgungssicherheit gewesen. „Ihr macht das politisch, warum macht ihr das nicht mit dem gesunden Menschenverstand“, warf nun wieder Schwarzmann ein. „Wir haben nie gesagt das wir mit der Juragruppe keine Kooperation haben wollen“, meldete sich nun Michael Distler, Verbandsvorsitzender der Aufseßgruppe. Er zeigre sich offen für Gespräche mit der Juragruppe, wies aber darauf hin das in der Bundeswehrstudie nur zwei Alternativen für ein zweites Standbein für die Aufseßgruppe drin standen. Und zwar Wiesenttal und Aufseß. „Wir haben unsere Aufgabe erledigt“, so Distler der sich Dürrschmidt anschloss der noch einmal betonte das die komplette Versorgung der Bürger der Aufseßgruppe gesichert ist.
"Conny" Krug fordert Versorgungssicherheit - Aufseßgruppe für 80 Prozent teurer als die Juragruppe
Von Thomas Weichert
BREITENLESAU
Rund 25000 Kubikmeter Trinkwasser braucht die Brauerei Krug pro Jahr. Das ist etwa ein Fünftel der gesamten Wassermenge die die Aufseßgruppe verkauft. Würde die Brauerei Krug als Wasserkunde der Auseßgruppe wegfallen und zur Juragruppe wechseln, so wäre sogar die Aufseßgruppe in ihrem Bestand in Gefahr, weil der Wasserpreis für die dann verbleibenden Anschlussteilnehmer drastisch steigen müsste. Auch Braumeister Konrad Krug war zur Bürgerversammlung gekommen und meldete sich am Ende noch zu Wort.
„Ich bin total zufrieden mit dem Wasser das ich von der Aufseßgruppe bekomme“, so Krug, der jedoch auch betonte, dass das Schlagwort der Versammlung die Versorgungssicherheit ist. Für ihn als Brauer sei es ganz wichtig immer Wasser zu bekommen. „Die Juragruppe wäre ein starker Partner, wenn was passiert“, sagt Krug, betont aber auch das er noch in 20 Jahren gerne mit Aufseßwasser brauen möchte. Würde die Aufseßgruppe 20000 Liter „Spülwasser“ von der Juragruppe abnehmen, macht sie doch eigentlich Gewinn, meint Krug weiter. „Ich persönlich liebe euer Wasser“, so Krug in Richtung Verbandsräte der Aufseßgruppe. Allerdings braucht Krug einhundert prozentige Versorgungssicherheit die er bei der Aufseßgruppe angesichts des Klimawandels in Gefahr sieht. Hans Hümmer rechnet vor das für 80 Prozent der Kunden der Aufseßgruppe durch die Erhöhung der Wassergebühr auf 1,05 Euro und die Verdoppelung der Grundgebühr von 60 auf 120 Euro das Wasser der Aufseßgruppe nun teurer ist als das der Juragruppe. Verbraucht jemand 50 Liter Wasser im Jahr so zahlt er bei der Juragruppe bei einer Grundgebühr von nur 36 Euro insgesamt 126 Euro im Jahr. Bei der Aufseßgruppe kostet die gleiche Menge Wasser wegen der nun beschlossenen Grundgebühr 172,50 Euro im Jahr. Das sind 37 Prozent mehr als bei der Juragruppe, rechnet Hümmer vor. Noch schlimmer ist es wenn jemand nur zehn Kubikmeter im Jahr verbraucht. Das wäre dann ein Wasserpreis pro Kubikmeter bei der Aufseßgruppe von 13 Euro. Erst bei einer Abnahmemenge von 120 Kubikmetern ist die Aufseßgruppe günstiger als die Juragruppe. Und zwar um zwei Prozent. Die Anhebung der Grundgebühr von 60 auf 120 Euro bei der Aufseßgruppe bezeichnet Bürgermeister Edmund Pirkelmann (BBS) als „unsozial bis dort hinaus“. „Es wird immer so dargestellt bei der Aufseßgruppe ist alles billiger, was aber nicht der Fall ist“, so Pirkelmann.
Neuner für Zusammenarbeit
Es tauchte auch die Frage aus der Versammlung auf wer überhaupt darüber entscheidet ob Breitenlesau von der Juragruppe oder der Aufseßgruppe beliefert wird. Laut Hümmer ist dies der Stadtrat von Waischenfeld, da die Trinkwasserversorgung eine kommunale Pflichtaufgabe ist. So einfach ist dies jedoch laut Werner Borchert, Geschäftsleiter der Aufseßgruppe, nicht. Um Breitenlesau aus der Aufseßgruppe zu entlassen braucht es laut Borchert eine Zweidrittelmehrheit des Verbandsrats der Aufseßgruppe. Und letztendlich müsste die Rechtsaufsichtsbehörde darüber entscheiden. „Die Versammlung war für den Bürger sehr wichtig um sich eine Meinung zu bilden“, sagt dritter Bürgermeister Kurt Neuner (BBN) am Schluss. Neuner rief dazu auf das die Juragruppe und die Aufseßgruppe gemeinsam weitere Visionen entwickeln müssen und lud die Verbandsräte der Aufseßgruppe zu einer Werksbesichtigung der Juragruppe ein. „Heute kommen wir nicht weiter“, so Neuner abschließend und Pirklelmann betont noch einmal das für ihn dieses Thema nun abgehakt sei. „Nach 20 Jahren wird man sagen er hat doch recht gehabt“, kommentierte Hümmer abschließend.
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