Hochstahler Brauerei Reichold stellt Bierproduktion ein – Coliforme Keime im Trinkwasser
Von Thomas Weichert (Text und Bilder)
AUFSESS
Aufseß in der Fränkischen Schweiz ist mit der größten Brauereidichte der Welt weltberühmt. Nun brodelt es bei den Brauern der Weltrekordgemeinde die seit 2000 unangefochten im Guinness Buch der Rekorde steht. Denn im Trinkwasser der Gemeinde wurden coliformen Keime gefunden. Deshalb schlagen bei den Weltrekordbierbrauen die Bierfontänen der Empörung hoch. Seit Montag gilt eine Abkochanordnung, nachdem Kolibakterien im Trinkwasser gefunden wurden. Inzwischen wird das Trinkwasser durch eine provisorisch eingebaute Chloranlage gechlort, wie Bürgermeister Ludwig Bäuerlein (CSU) während der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend informierte. Braumeister Hilmar Reichold von der gleichnamigen Brauerei in Hochstahl hat inzwischen die Reißleine gezogen und seine Bierproduktion bis auf Weiteres eingestellt.
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An die Tür seiner Brauerei hat Reichold inzwischen ein Plakat mit Heftpflaster geklebt auf dem zu lesen ist, dass die Brauerei Reichold zum 10. Oktober ihre Produktion wegen Rohstoffproblemen eingestellt hat. Bier, das vor dem 8. Oktober abgefüllt wurde, wird noch verkauft. Das reicht vielleicht noch eine Woche, sagt Jörg Reichold, Juniorchef der Brauerei Reichold. Er war zur Gemeinderatssitzung gekommen, weil er wissen wollte ob es in Sachen Trinkwasser was Neues gibt. Bürgermeister Bäuerlein spricht während der Sitzung von einer ganz geringen Menge an Keimen die gefunden wurden. „Vor zwei Jahren hätten wir darüber nicht einmal diskutiert“, so Bäuerlein. Dennoch musste die Gemeinde auf Nummer sicher gehen und mit Rücksprache des Landratsamts die Abkochverordnung erlassen und inzwischen auch eine provisorische Chlorung einbauen. Es werden zudem ständig weitere Proben gezogen. Bäuerlein hofft das man die Abkochanordnung bald aufheben kann. Allerdings muss danach aus Sicherheitsgründen noch weitere drei Wochen gechlort werden. Woher die Keime im Trinkwasser kommen, kann Bäuerlein nicht sagen. Er ist sich aber sicher dass die Landwirtschaft daran nicht schuld ist, sondern ganz normale Einschwemmungen nach den starken Regenfällen der letzten Tage und Wochen. Mit den Brauereien sei die Problematik inzwischen auch besprochen worden. Auch für die Brauereien gilt die Abkochanordnung, so Bäuerlein, der hofft, am Freitag mehr zu wissen. „Der Brauer ist immer in der Haftung und keiner konnte mir bis jetzt sagen dass ich weiter Bier abfüllen darf“, so allerdings Jörg Reichold. Denn Kolibakterien sind die schlimmsten Bierkeime. Reichold will kein Risiko eingehen. Um sein Bier zu brauen wird das Wasser zwar abgekocht und somit die Bakterien getötet, nicht aber um seine Bierflaschen zu spülen. „Wir warten nun bis Freitag, bis dahin wird kein Bier gebraut“, so Reichold, der nun die Gemeinde am Zug sieht. Denn diese hätte die Verpflichtung einwandfreies Trinkwasser zu liefern. Notfalls auch mit Containern. Sein Weizenbier kann aber weiterhin hergestellt werden da es im Lohnbrauverfahren von einer externen Brauerei gebraut wird. Im Lokal selbst wurde das Tafelwassergerät abgeschlossen. Außerdem haben die Reicholds bereits eine Rechtsanwältin eingeschaltet um eventuell Schadenersatzforderungen zu klären. Ein Problem sieht Reichold aber auch in der Chlorung. Denn Chlor könnte den Biergeschmack beeinflussen. Das größte Problem sieht auch Braumeister Frank Rothenbach von der Aufseßer Brauerei Rothenbach in der Chlorung. Gegen die Bakterien hat Rothenbach schon seit Jahren eine Ultrafiltrationsanlage über die nicht nur sein Brau- sondern auch sein Spülwasser läuft. Daher will Rothenbach weiter brauen und hat ebenfalls Proben vor und nach der UV-Anlage nehmen lassen die derzeit noch ausgewertet werden. Rothenbach rechnet das ihm dieser Befund ebenfalls am Freitag vorliegt. „So ganz ohne ist das mit der Chlorung nicht“, sagt aber auch Braumeister Rothenbach. Denn es komme darauf an ob es gebundenes oder ungebundenes Chlor sei. Und wie hoch die Konzentration des Chlors im Trinkwasser sein wird. „Denn wenn das Chlor eine gewisse Höhe überschreitet, greift es die Hefe an“, so Rothenbach. Und falls dies der Fall wäre, was er nicht hofft, könnte auch er kein Bier mehr brauen. „Das mit den Keimen kriegen wir aber in Griff“, ist sich Rothenbach sicher. Für Braumeister Martin Schuster von der Brauerei Stadter in Sachsendorf ist das Ganze noch kein Problem. Er braut momentan kein Bier und hat noch genügend Biervorrat für das nächste Vierteljahr. „Unser Bier ist noch aus guter Wasserzeit“, sagt Schuster, der nur etwa alle sechs Wochen braut. Allerdings wundert sich Schuster dass seine Brauerei von der Gemeinde bisher noch nicht informiert wurde. Braumeister Josef Schmitt von der bekannten Kathi Bräu in Heckenhof war zu einer Stellungnahme nicht erreichbar.
Bild 1: Bis auf Weiteres geschlossen: Die bekannte Hochstahler Brauerei Reichold. Der Gaststättenbetrieb geht jedoch weiter.
Bild 2: Aufseß in der Fränkischen Schweiz begrüßt seine Gäste als Weltrekordgemeinde mit der größten Brauereidichte der Welt
Bild 3: Wegen "Rohstoffmangel" ist die Brauerei Reichold dicht.
Nachgefragt bei Braumeister Hilmar Reichold von der gleichnamigen Brauerei in Hochstahl
Von Thomas Weichert
Die Freunde der Fränkischen Schweiz haben nun bei Braumeister Hilmar Reichold bei der gleichnamigen Brauerei Reichold in Hochstahl nachgefragt, weil die bekannte Brauerei ihre Bierproduktion letzte Woche wegen coliformen Keimen und wegen der deshalb dann vom Landratsamt Bayreuth angeordneten Abkochverordnung und Chlorung des Trinkwassers der gemeindlichen Wasserversorgung eingestellt hat.
Laut Hilmar Reichold könne er noch immer kein Bier brauen da die Konzentration des Chlors im Trinkwasser einfach noch zu hoch ist. Anfänglich waren es noch vier Keime, jetzt ist es nur noch einer, sagt Reichold. Täglich steht er im Kontakt mit dem Wasserwärter der Gemeinde Aufseß. Der Vorrat an Flaschenbier ist ihm bereits ausgegangen. Das derzeitige Problem für ihn ist der relativ hohe Chloranteil im Trink- und somit auch in seinem Brauwasser. „Den können wir im Gegensatz zu Rothenbach in Aufseß nicht rausfiltern“, sagt Reichold. Er hofft nun, dass sich bis zum kommenden Wochenende die Werte deutlich verringern und vor allen Dingen der Chloranteil im Trinkwasser so weit sinkt, damit er wieder Bier brauen und abfüllen kann.
Brauerei Reichold hat wieder genügend Bier auf Lager
Von Thomas Weichert
HOCHSTAHL
Die Brauerei Reichold hat wieder genügend Fass- und Flaschenbier auf Lager. Dies teilte Braumeister Hilmar Reichold den Freunden der Fränkischen Schweiz nun auf erneute Nachfrage mit. Nachdem Anfang Oktober bekannt wurde dass coliforme Keime im Trinkwasser der Wasserversorgung der Gemeinde Aufseß gefunden wurden und das Landratsamt Bayreuth daraufhin eine Abkochanordnung und Chlorung des Trinkwassers verordnet hatte, hatte die bekannte Brauerei Reichold ihre Bierproduktion komplett eingestellt. Nun konnte das bereits vorher gebraute Bier abgefüllt werden, da nach drei gezogenen Wasserproben keine Keime mehr festgestellt wurden. Reicholds Bierlager ist demnach wieder voll. Neues Bier kann er aber erst wieder brauen wenn nicht mehr gechlort wird. Damit die Chlorung wieder aufgehoben werden kann müssen laut Reichold noch zwei weitere Wasserproben ohne Beanstandungen sein. Der Chef der Reichold Brauerei hofft nun dass dies bald der Fall sein wird. Die größere Brauerei Rothenbach in Aufseß konnte dank eigener UV-Filteranlage weiter brauen und die beiden kleineren Brauereien Kathi-Bräu in Heckenhof und Stadter in Sachsendorf haben noch genügend Bier auf Vorrat und mussten daher bisher weder brauen noch abfüllen. tw
Aufgrund der erneut gefundenen Keime im Trinkwasser hat die Brauerei Reichold ihre Bierproduktion erneut eingestellt. Laut Braumeister Hilmar Reichold habe man aber inzwischen wieder genügend Biervorrat umd die Zeit bis zum Einbau der UV-Anlage beim Tiefbrunnen der Gemeinde Aufseß überbrücken zu können. tw
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